Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Wissenschaftlicher Angestellter und „periphere Informationsbeschaffung“

Auf meiner Stelle als wissenschaftlicher Angestellter setzte ich zunächst die begonnene Ar­beit an der Edition des Перло многоцѣнное fort und stellte die Drucklegung meiner Dis­sertation zurück, um Erkenntnisse aus der genauen Textarbeit darin noch berücksichtigen zu können. Daneben zog mich Hans Rothe immer wieder zu seinen diversen Projekten heran. Die Edition beendete ich 1982 (erschienen 1984), den Kommentarband, dessen Grundbestand meine Dissertation war, 1983 (erschienen 1985). Die Hauptarbeit für den Editionsband be­stand im Nachweis von Zitaten, wodurch ich genötigt wurde, mich eingehender mit Theo­logie zu befassen. Seit dem Sommersemester 1982 besuchte ich daher Veranstaltungen zur Patristik und zur Orthodoxen Theologie bei Theodoros Nikolaou (*1942) (Theodoros Studites, Mario­logie, Trinitätslehre, liturgisches Leben, kirchliche Ost-West-Beziehungen, Ekkle­siologie, As­ke­se, Pneumatologie), zudem schon seit dem Wintersemester 1981/82 solche zur Byzan­tinistik bei Erich Trapp (*1942), außerdem seit dem Wintersemester 1982/83 Vorlesungen zur Kirchengeschichte bei J. F. Gerhard Goeters (1926–1996) und ab dem Wintersemester 1983/84 solche zur osteuropäischen Kirchengeschichte bei Gabriel Adriányi. Im Som­mer­semester 1984 kam dazu die Wissenschaft vom Christlichen Orient bei C. Detlef G. Müller (1927–2003) (zunächst Syrisch, dann Koptisch, Georgisch, Armenisch und Altäthiopisch). Hans Rothe duldete diese Aktivitäten nicht nur, sie wurden sogar in meinen dann unbe­fristeten Arbeitsvertrag unter der Rubrik „periphere Informationsbeschaffung“ als zu meinen Dienstobliegenheiten gehörend festgehalten. Infolge dieser ergänzenden Studien konnte ich den Kommentarband gegenüber der Dissertation erheblich erweitern, vor allem um alles Theologische. Abfallprodukte waren meine ersten beiden Aufsätze. Anschließend widmete ich mich der apokryphen Literatur und schließlich den Palejen, auf die mein Interesse durch eine byzantinistische Übung bei Rainer Stichel in Köln gelenkt worden war. Im Zusam­men­hang mit Apokryphen stand auch mein erster öffentlicher Vortrag auf einer wissen­schaft­lichen Tagung, den ich 1988 in Münster aus Anlass des Millenniums der Taufe Russlands hielt. Mit apokrypher Literatur beschäftigte ich mich auch weiterhin, vor allem bei der Arbeit mit dem Alexanderroman, die in einen Aufsatz einfloss, der in der Festschrift für Hans Rothe anlässlich seiner Emeritierung 1993 veröffentlicht wurde, zuletzt in einem Buch über die Apo­­kalypse des Paulus, das im Februar 2013 erschienen ist.

Nicht so peripher war ein weiterer Arbeitsschwerpunkt, zu dem mich Hans Rothe drängte, nämlich der Humanismus in den böhmischen Ländern. Nachdem die von ihm im Februar 1978 in Bonn durchgeführte Tagung zum ehrenden Gedenken an Alexander Brückner vor allem Fragen der polnischen Kultur im 16. Jahrhundert behandelt hatte (an der Vorbereitung der Drucklegung der Sammelbände der Tagung war ich als studentische Hilfskraft beteiligt), hatte er sich seit 1982 schwerpunktmäßig der Kultur in den böhmischen Ländern zugewandt. Nach dem Vorbild der Bonner deutsch-polnischen Konferenz von 1978 fand 1985 im Kloster Walberberg bei Brühl eine internationale Konferenz zum Humanismus in den böhmischen Ländern statt. 1987 folgte ein Arbeitstreffen mit tschechischen Kollegen in Marburg an der Lahn. Für die folgende Konferenz im März 1990 in Liblice bei Prag sollte auch ich einen Beitrag liefern. Da ich mich bis dahin mit dem Tschechischen kaum beschäftigt hatte, be­suchte ich nun die Kurse des Slavistischen Seminars, zusätzlich und vertiefend im Sommer 1988 die Sommerschule in Prag. Dieser Kurs ist mir in besonderer Erinnerung geblieben, weil die Delegation der DDR dort trotz Widerstandes von tschechischer Seite demonstrativen Schulterschluss mit den Teilnehmern aus der BRD suchte, und die gesamte Veranstaltung in einem Geiste stattfand, der bereits die Er­eignisse von 1989 vorwegzunehmen schien. Auch sprachlich war ich danach gut vorbereitet, 1990 in Liblice einen Vortrag über die Mappa Katolická des Jesuiten Jiří Plachý-Ferus von 1630 zu halten.